Kann Gasser lesen? – Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

Gilead
Lebensstufen
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ff
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karenina
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Lektüreempfehlung Jänner 2017:

Marilynne Robinson – Gilead

 

Sieht man sehr streng und ein bißchen unfair genauer hin, sind derzeit viele Erfolgsfilme Elaborate für große Kinder: Dokudramen, die nur die halbe Wahrheit anbieten; Action-Nummernrevuen mit dumpfen Superhelden, denen man diesseits der Leinwand kein Taxi anvertrauen würde, da ihr Ziel einzig darin bestünde, es auf langwierigen Verfolgungsjagden bombastisch zu Schrott zu fahren; in Horrorfilmen ist schon wieder die Welt untergegangen, und Zombies greifen hungrig fauchend nach Überlebenden auf der Suche nach der letzten Dose Tomatensuppe in einem geplünderten Supermarkt. Zugegeben, all das ist bisweilen unterhaltsam und nett, doch so unendlich harmlos, dass man vor Sinnleere kaum mehr schlafen kann. Dabei sind wir dank jener Literatur, die noch weiß, dass es unter uns auch ein paar Erwachsene gibt, von Sinn umgeben wie im Norden Costa Ricas vom Regenwald. Und vielleicht liest man gerade dort, auf einem Balkon etwa unter dem wolkenverhangenen Vulkan Arenal, ruhiger, geduldiger, neugieriger, gewogener; doch fragt man sich nach der Rückkehr ins januarkalte Europa und nach erneuter Lektüre von „Gilead“, dem Klassiker Marilynne Robinsons von 2004, noch immer, warum er bei uns bislang keine Beachtung gefunden hat. Jetzt ist er in der Neuübersetzung Uda Strätlings beim S. Fischer Verlag endlich zu haben. Darin erzählt der herzkranke Reverend John Ames in seinem Heimatort Gilead, Iowa, in einem als Testament gedachten Brief an seinen siebenjährigen Sohn die Geschichte seiner Familie und zugleich diejenige Amerikas seit dem Bürgerkrieg, bilder- und gedankenreich, klug, scheinschlicht, bedächtig und sanft. Doch so gläubig Reverend Ames auch sein mag, so lauern hinter seinem Weltvertrauen urzeitliche Angst und Skepsis: Plötzlich ähnelt der Roman einem Gang auf den Hängenden Brücken über den Wäldern Alajuelas – dann aber weist Marylinne Robinson mit leichthändiger Kraft den Schrecken in ihre Ordnung zurück, und der Leser hat das Ende der schwindelnden Brücke erreicht und wieder festen Boden unter den Füssen. Der Roman geht zu Herzen wie wenig sonst, nicht einmal der Gedanke ans Sterben-Müssen tut, solange der Roman dauert, sonderlich weh. Was ist ein Grab? Nichts weiter als ein „kleiner Flecken Sterblichkeit“. Das Buch besitzt, wovon es selbst einmal spricht − ein „ekstatisches Feuer, das die Dinge aufs Wesentliche reduziert“. Man würde sogar seine Freunde danach auswählen können, ob sie es zu schätzen wissen oder nicht.

 
Das Hörbuch bei Argon, gelesen von Otto Mellies, ist ein Meisterwerk für sich.
 

 
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Weitere sechs Hörbücher, mit denen man aus Erfahrung lange leben kann:

– Gert Heidenreich: Umberto Ecos „Name der Rose“

– Frank Stöckle: Hilary Mantels „Falken“

– Ulrich Noethen: Lew Tolstois „Krieg und Frieden“

– Sylvester Groth: Evelyn Waughs „Wiedersehen mit Brideshead“

– Senta Berger: Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“

– Johannes Steck: David Mitchells „Die Knochenuhren“

 
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Und so sieht das aus:

 
Auf den Hängenden Brücken unter dem Vulkan Arenal, Dez. 2016

 

Auch ein Ort des Lesens: Auf einer Hotelterrasse mitten
im Regenwald von Alajuela, Zentralamerika