Kann Gasser lesen? – Monatliche Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

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Lektüreempfehlung Januar 2016:

David Mitchell – The Bone Clocks

 
Die meisten Bücher, die man empfehlen möchte, sind solche, die zu empfehlen einer Anmaßung gleichkommt. Sie zu lesen nämlich versteht sich von selbst, so „The Bone Clocks“ − „Die Knochenuhren“ − von David Mitchell. Andererseits haben manche Kritiker, wie seit je von Negativität vergiftet, „The Bone Clocks“ 2014 höhnisch verrissen – als einen „Harry Potter für Erwachsene“ und beliebige Rätselspielerei. Ob es dem Buch in der gewiß meisterhaften deutschen Übersetzung von Volker Oldenburg im März 2016 im Rowohlt Verlag bei uns nun anders ergehen wird oder nicht: galaxienweit entfernt von kindlicher Fantasy, macht das Werk ernst mit unserer Furcht vor dem Verlust und der Sterblichkeit – ja (da hat ein Bösewicht des Buches durchaus recht), es gibt Tage, da könnte man vor Freude darüber, am Leben zu sein, die Sonne anheulen. Dieser Universalroman – atmosphärisch barock, komisch und traurig, stilistisch ein Ereignis von Satz zu Satz – blickt durch das Teleskop der Zeit und erzählt die Lebensgeschichte der in der ersten Episode sechzehnjährigen Holly Sykes von 1984 bis in die apokalyptisch verheerte Zukunft des Jahres 2043; fast übermenschlich tapfer durchleidet Holly die Tode der geliebten Wesen um sie her und wird dabei in den Krieg zwischen den Anchoriten und Horologen verstrickt, zwei Geheimgesellschaften, die sich in einer Welt hinter dieser Welt auf gegensätzliche Weise ihrer Unsterblichkeit versichern. Man ahnt: seit dem „Wolkenatlas“ ist Mitchell dabei, ein eigenes Universum für uns zu erschaffen. Mehr zu verraten verbietet sich, nur eines noch: weil derzeit wieder mal davon die Rede ist, Liebe sei kein Gefühl, sondern ein „symbolisch generalisierendes Kommunikationsmedium“, bloße Einbildung und Was-sonst-noch-alles – solcherlei mag an den Universitäten und in den Zeitungen seine Richtigkeit haben, hier aber gibt es sie.
Vermutlich ist die Szene, in der Holly Sykes und Hugo Lamb die Nacht durchreden, die schönste und längste Liebeserklärung der Weltliteratur. Bitte lesen Sie dieses Buch. Sie werden nicht mehr aufhören können und sich über alle ärgern, die Sie bei der Lektüre unterbrechen.
 
 

Hören Sie einen kurze Leseprobe aus The Bone Clocks
Episode 1: Holly Sykes auf dem Weg zurück in die Vergangenheit

Gelesen von Markus Gasser.

 
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Sehen Sie zusätzlich David Mitchell selbst,
in einem Interview über sein Buch “The Bone Clocks”: