Kann Gasser lesen? – Monatliche Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

Gilead
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Lektüreempfehlung Mai 2016:

David Mitchell – Slade House

 
Meine liebe Lena,

im Sommer 2014 fing es an: David Mitchell publizierte das erste Kapitel seines Nachfolgeromans zu den „Bone Clocks“ in einer Serie von Tweets, ich habe Dir bei Deinem letzten Besuch hier in Zürich die „Bone Clocks“ geschenkt, Du warst dann zu meiner Beglückung ganz hin und weg von Mitchells Phantasiebravour (Fantasy- und Sci Fi-Fan, der Du nun einmal bist), Du hast, schreibst Du, den Roman jede freie Minute zur Hand genommen und warst am Schluss enttäuscht darüber, „dass es nicht mehr davon gibt, vor allem, weil die Geschichte ja nicht wirklich aus ist“. Doch es gibt tatsächlich mehr davon, „Slade House“, worin man auch ohne Kenntnis der „Knochenuhren“ schwelgen kann. Du beherrschst perfekt Englisch (und das, obwohl ich zwischen 2004 und 2007 Dein Lehrer am Gymnasium war), und so wird es Dich nicht stören, dass das Buch in deutscher Übersetzung noch nicht zu haben ist (die kommt aber bald, höre ich). Worum es in „Slade House“ geht? Es wäre eine Gemeinheit, das auszuplaudern… Du willst wenigstens wissen, wie es losgeht? Na gut. Der Roman beginnt 1979, der kleine Nathan Bishop läuft in sich gekehrt und mit Valium vollgepumpt seiner Mutter auf einer Straße in London hinterher, und kaum öffnet er das Tor an der Mauer der Slade Alley… Genug? Nein? Nun, die uralten Zwillinge, die das Anwesen bewohnen, haben alle neun Jahre und gerade heute ihren gefräßigen Tag der Offenen Tür… Aber mehr sage ich jetzt wirklich nicht. Man staunt über diese 233 knappen Seiten wie über ein Uhrwerk, denn nicht nur was (Ungeheuerliches), sondern in welcher Weise Mitchell es erzählt: das ist keine blosse Fähigkeit mehr, das ist offensichtlich der Naturzustand seines Daseins. Da Du, liebe Lena, so bezaubernd hartnäckig an der Existenz Gottes zweifelst, wird es Dich auch freuen zu hören, dass darin ein Bösewicht, der nach Unsterblichkeit giert auf Kosten anderer, Gott verteidigt, hintersinnig und frech. „Ist ein Ja nicht immer besser als ein Nein?“ (Oh doch, so ist es, stimme ich dem Bösewicht zerknirscht zu.) Wenn Du mir jetzt noch Deine neue Adresse in Wien angibst, sende ich Dir noch morgen den Roman per Eilpost zu – und bin auch heute, wie immer und von ganzem Herzen, Dein Markus.

 
 

David Mitchell liest aus “Slade House”: