Kann Gasser lesen? – Monatliche Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

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Lektüreempfehlung September 2016:

Lauren Groff – Licht und Zorn

 
„Besteht man zuletzt nur daraus, wie man von jemandem geliebt wird?“ Das muss sich Mathilde Yoder fragen, als ihr Mann gestorben ist, der ihr die Gewissheit schenkte, im innersten ein guter Mensch zu sein. „Da stand sie, für ihn“: Im ersten Teil von Lauren Groffs „Licht und Zorn“ (bei Hanser Berlin) scheint das Leben der College-Schönheit Mathilde Yoder erst in dem Augenblick begonnen zu haben, da sie dem hünenhaften Millionärssprössling Lancelot Satterwhite begegnet ist. Diesem hat ein zwergenhafter Lehrer auf der Highschool einst mit dem Satz „Wenn ich mit euch fertig bin, wird euch Shakespeare aus jeder Pore dringen“ den Weg zum Theater gewiesen; und nach im Alkohol ertränkten Dauerniederlagen als Schauspieler avanciert Lancelot Satterwhite an Mathildes Seite denn auch zu einem Dramatiker, wie es ihn, kühn bis ausgeflippt, seit dem unheimlichen Eugene „Trauer muss Elektra tragen“ O´Neill nicht mehr gegeben hat. Aber: Dies ist lediglich Lancelots − allzu lichte − Version einer 24 Jahre währenden Erfolgsehe, geschrieben in szenisch verknappten Sätzen (wie es sich für einen Dramatiker geziemt) und immer wieder von launigen Kommentaren altgriechischer Schicksalsgöttinnen unterbrochen. Der zweite Teil eröffnet uns − gelassen gereizt, konzentriert und lebendiger noch als der erste − Mathildes Version: Sie hat nur für Lancelot existiert, die Liebe ihres Lebens. Sie war der Zornessturm, der die Karriere ihres Mannes mit den unerhörtesten Mitteln vorantrieb. Und sie wird nach seinem Verlust in verzehrender Vereinsamung zur Furie, weil sie eben nicht nur jene Mathilde ist, die er in ihr sah und die er vergötterte, sondern die von Anbeginn auch eine ganz andere war … Dieser und anderer Volten wegen warf ein Großkritiker des Magazins „The New Yorker“, ein offenbar hervorragender Kenner der Wirklichkeit, der Autorin Wahrscheinlichkeitsmissbrauch vor − und „die Vandalisierung des Romans als Gattung“ obendrein. Angebrachter gewesen wäre ein Segenswunsch. Denn „bless the readers of all books“ schreibt Lauren Groff am Schluss ihres Buches.
 
And bless you too.

 
 

Hören Sie einen Ausschnitt aus Lauren Groffs „Licht und Zorn“,
  vorgelesen von Markus Gasser:

 
 

Zudem: Schauen Sie sich auch das Interview von Charlie Rose mit Lauren Groff an, über die Tradition weiblichen Zorns, einfach herrlich