Kann Gasser lesen? – Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

Gilead
Lebensstufen
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ff
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AbsalomAbsalom
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karenina
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Lektüreempfehlung April 2016:

Bob Dylan – The Lyrics.

 
Mit dem Älterwerden weiß man, wie wenig Zeit man noch zu verlieren hat; man liest bilder-, sinnen-, geschichtenhungrig daher mehr denn je und kehrt in Gedanken doch stets zu den literarischen Portalfiguren der eigenen Existenz zurück, zu Gabriel García Márquez etwa, zu Vladimir Nabokov – und zu Bob Dylan schließlich, jenem freundschaftlichen Begleiter seit dem zwölften Lebensjahr. In seinem Werk bleiben die Situationen und Orte verwahrt, in denen man sich einstmals befand und seine Sätze zu begreifen suchte und dabei intuitiv verstand: vor Weltliebe ganz hingerissen und heiter. Dylan ist, was man selber einmal war und wie zeitenverquer wieder ist, kaum dass man seine Stimme vernimmt, ob aus dem Lautsprecher oder gedruckt. In dem bibelschweren, 2014 vom altehrwürdigen Lyrik-Experten Sir Christopher Ricks bei Simon & Schuster herausgegebenen Band mit der lorbeerumkränzten Homer-Lyra vorne drauf finden sich nicht nur alle bislang gedruckten Zeilen Bob Dylans, sondern auch jene, die er für seine Konzerte umgeschrieben und oft zu wahren Kleinromanen erweitert hat. Es sind Kompendien für jede Daseinslage, die oft ihre Bedeutung verändert haben, wenn man sie von neuem zur Hand nimmt wie das tausendmal gehörte „I Shall Be Released“, das man eben noch für die einfache Klage eines Gefängnisinsassen hielt; das Lied ist weit mehr und anderes noch, ein Sehnsuchtsausbruch nämlich − da will einer auch die Grenzen sprengen, die die Alltagswillkür ihm setzt. Es ist jener Kerker der Zeit, von dem Nabokov in seinen Memoiren schreibt, er hätte sein Leben damit zugebracht, dem Altern und Sterbenmüssen entrinnen zu wollen. Vielleicht ist das Bild, Leben sei ein Weg, der in ein etwaiges Jenseits führt, völlig verfehlt: Vielleicht sitzen wir in einem Haus, und durch seine Fugen dringt Licht herein. Manche stellen sich blind, andere aber erblicken es mit weit aufgerissenen Augen. Niemand unter den deutschen Dylan-Enthusiasten weiß über diese visionäre Kraft Bob Dylans inniger und einfühlsamer Bescheid als Heinrich Detering, der am Ende seines wunderbaren Buches im Reclam Verlag den letzten Song aus Dylans Sinatra-Album zitiert, „Lift me up to Paradise“, und hinzufügt: „hinauf aus Schatten und Nacht in die Sonne eines anderen Tages“. Befreiender geht es nicht.
 
 
Sehen Sie ein Aufnahme von Bob Dylan und Norah Jones: “I Shall Be Released”:

 

 
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Nabokov

 Hören Sie passend zum Text einen kurze Lesung aus Vladimir Nabokovs Erinnerung, sprich:
 
 
Oder zusätzlich eine Höraufnahme Every Grain Of Sand:
 

Gelesen von Markus Gasser.