Kann Gasser lesen? – Monatliche Lektüreempfehlungen von Markus Gasser

 

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Lektüreempfehlung März 2016:

William Faulkner – Absalom, Absalom!

 
Im Grunde lautete die Frage nie, warum wir Klassiker überhaupt lesen sollten, sondern weshalb wir sie so seltsam gewunden umgehen. Weil sie uns schwierig erscheinen. Faulkner zum Beispiel: Selbst Literaturlexika entmutigen uns, wenn sie versichern, man müsse sich die Geschichte von „Absalom, Absalom!“ – Aufstieg und Fall der Sklavenhalterfamilie Thomas Sutpens im fiktiven Yoknapatawpha County, Mississippi – aus der Perspektive der Gestalten mühselig zusammensetzen, so als hätte der Autor seine Hausaufgaben frech auf seine Leser abgewälzt. Doch dass Bücher, die es aufzuschlagen lohnt, nicht ohne Anstrengung, ja Verausgabung von uns Lesern zu erobern sind, bekommt ein jeder zu spüren, der sich durch Triviales quält: Verfügt ein Autor nicht über Fülle, Leidenschaft, Wucht, verqueren Eigensinn und Originalität, findet der Leser keinen Halt und sieht sich nicht erkannt, bewegt, erhoben, beruhigt. Bei Faulkner aber überfällt einen in der hochmusikalischen Meisterübersetzung Nikolaus Stingls im Rowohlt Verlag das Gefühl, dass Faulkners Schauerroman über die ältesten Menschheitsfragen nur so und nicht anders geschrieben werden konnte: Oft enthält schon ein einziger Satz dieses Wortschatzmillionärs ein Universum für sich, und es wäre Faulkner am liebsten, er könnte eine ganze Geschichte in nur einem einzigen Satz erzählen. Was ihm oft auch gelingt: Alle unsere Sinne, auch der sechste, sind in Aufruhr gebracht, denn ein kühnes Bild hetzt das nächste, und die Welt, auch die tote, belebt sich wie auf einem Gemälde Hieronymus Boschs. Wer die Erschütterung und Übertreibung nicht mag und nur die Mäßigung zu goutieren weiß, muss diesen Ozean meiden. Faulkner schrieb im Rausch, auch wenn er sich des Whiskeys enthielt. Ohne ihn hätte es den lateinamerikanischen Roman nie gegeben, und es verwundert nach der Lektüre wenig, daß Juan Carlos Onetti „Absalom, Absalom!“ so großartig fand, dass es ihm nutzlos vorkam, weiterzuschreiben. „Wozu? Faulkner hat schon alles vollbracht, so wunderbar … so − perfekt.“
 
 

Hören Sie einen kurze Leseprobe aus Absalom, Absalom!:

Gelesen von Markus Gasser.

 
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von William Faulkner an der Universität von Virginia: